Nach drei Folgen über Anreise, Team und den ersten Tag am Stand ist Folge 4 das erste Gespräch mit einer Organisation. Lisa und Annika bilden seit Jahren das Kommunikationsteam von EinDollarBrille, inzwischen zu viert. Geplant waren zehn Minuten, geworden sind es 21. Das lag am Thema.
Ein Dollar Material, eine Brille, ein Arbeitsplatz
Über 1,1 Millionen Menschen hat EinDollarBrille bisher mit einer Brille versorgt. Das Material für eine Brille kostet ungefähr einen Dollar, daher der Name. Das Besondere ist aber nicht der Preis, sondern der Ort: Die Brillen werden nicht in einer Fabrik gefertigt, sondern in den Programmländern selbst, in elf Ländern auf drei Kontinenten. Über 500 Menschen arbeiten dort für die Organisation.
Das ist eigentlich das Schöne an dem Projekt: Wir sorgen ja nicht nur dafür, dass Leute besser sehen, sondern dass die Leute in den Programmländern dort auch eine Arbeit finden.
Annika erzählt von einem blinden Brillenbieger in Burkina Faso und von einem Team in Peru, das nur aus Frauen besteht, alleinerziehenden Müttern, die sonst kaum eine Arbeit finden, weil sie nach der Schule bei ihren Kindern sein müssen. Und Lisa von einer Schülerin, die endlich wieder die Tafel lesen kann und nicht mehr verspottet wird.
Wir können wirklich anhand dieser Geschichten Impact zeigen, nicht nur an Zahlen, sondern eben an diesen emotionaleren Stories.
Warum zweckungebundene Spenden ihnen am liebsten sind
Auf die Frage nach Spendenkampagnen für einzelne Länder kommt eine klare Antwort.
Was uns immer recht sind, sind zweckungebundene Spenden, weil wir einfach über die Mittel frei verfügen können. Das hat gezeigt, dass wir so sehr effektiv arbeiten können.
Was das praktisch heißt, macht Annika an einem Beispiel fest: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, in Kolumbien ein neues Team aufzubauen, und dafür plötzlich ein Truck mit besonderen Anforderungen gebraucht wird, dann muss das Geld dort eingesetzt werden können.
Rund 25 Prozent der Spenden kommen inzwischen über die Website, mit steigender Tendenz. Für Lisa ist das der Beleg, dass die Online-Arbeit trägt: Jede Social-Media-Kampagne endet auf der Website, und die soll Lust machen, dort etwas zu tun.
Der Spendenshop
Ein Teil davon ist der Spendenshop, den goodDEV mit EinDollarBrille umgesetzt hat, inzwischen im zweiten oder dritten Jahr. Zur Weihnachtszeit zieht er spürbar an, und die Spenden über den Shop haben sich seit dem Start nach Annikas Schätzung mindestens verdoppelt. Das Konzept dahinter ist einfach: „Ich habe Geburtstag, schenk mir nichts, aber spende für die EinDollarBrille." Oder ein Gutschein für die erwachsenen Kinder, mit dem sichtbar wird, dass 50 Euro 50 Brillen in Burkina Faso bedeuten.
Wachstum, Strukturen und KI im Alltag
Die Organisation wächst, immer mehr Stellen werden hauptamtlich besetzt, und die alten Strukturen, in denen Informationen auf Zuruf weitergegeben wurden, tragen nicht mehr. Viele Termine, manches doppelt. Das Team ist gerade dabei, auszumisten und zu fragen, wer wirklich wo dabei sein muss.
Beim Thema KI sind die beiden weit vorne. Sie nutzen eine Plattform mit Servern in Deutschland, weil das dem Vorstand wichtig war, und arbeiten dort in Projektordnern gemeinsam an Themen. Für Annika hat sich die Arbeit dadurch deutlich beschleunigt: Bildunterschriften, suchmaschinenoptimierte Texte, Überschriften mit fester Zeichenzahl. Beim Jahresbericht, der fast fertig ist, hilft es vor allem am Anfang: Das leere Blatt ist nicht mehr so bedrohlich. Getrieben hat das niemand von oben, sagt Annika, das Team hatte einfach Lust auf das Thema.
Hinter dem Tempo steckt mehr als Effizienzfreude.
Je schneller wir arbeiten, desto mehr erreichen wir die Leute, desto mehr Spenden können wir sammeln und desto mehr Augencamps können wir machen. Wenn man das jetzt nicht macht, gibt es am Ende weniger Brillen. Das ist immer das Damoklesschwert, aber gleichzeitig auch der Motivator.
Was ihr noch fehlt, ist ein Werkzeug, das ihr die Priorisierung abnimmt: „Du machst jetzt die nächsten zwei Stunden das, weil das muss morgen fertig sein." Lisa kommt mit einer Aufgabenliste und einer Tabelle noch gut zurecht, würde die fünf Minuten am Tag für die eigene Priorisierung aber auch gern sparen.
Die Gegenfrage
Zum Schluss dreht Annika das Gespräch um: Wie kommt man eigentlich zu so einem Projekt wie GoodFunds? Die Antwort führt über nachgeholtes Abitur, ein duales Studium, den Sprung in die Selbstständigkeit und ein Hip-Hop-Festival, auf dem ein wichtiger Partner gefunden wurde. Und über eine Tafel in der Küche, auf der irgendwann stand, was die vorhandenen Werkzeuge gut können und was nicht. Der Zug ist abgefahren, ob er ankommt, ist offen. Das sagt Tim so ehrlich, wie er es meint.
Annikas Einschätzung dazu ist vielleicht der wichtigste Satz der Folge für uns.
Für viele Organisationen ist es schwierig, direkt ins kalte Wasser zu springen, wenn sie schon ein etabliertes System haben. Wir tasten uns lieber ein bisschen ran, nutzen die Spendenaktionsseite und machen kleine Schritte.
Genau so arbeitet EinDollarBrille mit GoodFunds. Es geht nicht darum, ein bewährtes System abzulösen, sondern darum, wie sich beides verbinden lässt.
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Alle Folgen
Die Reihe umfasst zehn Folgen, eine neue erscheint jeden Sonntag um 19 Uhr. Auf der Übersichtsseite läuft immer die aktuelle Folge, darunter stehen alle Termine. Wer nichts verpassen möchte, abonniert den YouTube-Kanal oder den Newsletter.
Davor erschienen: Folge 1 zum Auftakt, Folge 2 mit Bernd und Konrad und Folge 3 vom ersten Tag am Stand.




